Jobhopping – und warum eigentlich nicht?

Jobhopping – und warum eigentlich nicht?

Stell dir vor: Du bist ein Produkt. Ja, du hast richtig gelesen. Du, deine Zeit, deine Energie, dein Know-how – alles, was du bist, verpackt in einen schicken Lebenslauf mit Schleifchen drum. Und dieses Paket verkaufst du. An wen? An den Meistbietenden? An den Charmantesten? An den, der dich am wenigsten nervt? Nein. In der Regel verkaufen wir unsere wertvolle Lebenszeit an irgendeinen Arbeitgeber, der zufällig gerade Bedarf hat. Aber was, wenn das der Falsche ist? Und was, wenn wir einfach sagen: "Danke, nächster bitte!"

Willkommen in der Welt des Jobhoppings.

Der Mythos der Loyalität

Seit Jahrzehnten wird uns eingeimpft: Bleib deinem Arbeitgeber treu, wachse mit ihm, sei loyal. Aber was passiert, wenn der Arbeitgeber nicht mit dir wachsen will? Wenn "Loyalität" bedeutet, mehr zu geben, als man zurückbekommt? Unternehmen sind knallhart, wenn es um die eigene Profitabilität geht. Kunden, die sich als unrentabel erweisen, werden aussortiert. Lieferanten, die nicht mehr zum Portfolio passen, fliegen raus. Und Mitarbeitende, die zu teuer werden oder unbequem sind? Nun ja – willkommen in der Welt der Sozialpläne.

Also warum um Himmels Willen sollten wir uns wie die letzten Mohikaner an einen Arbeitgeber klammern, der uns morgen schon ersetzen könnte?

Lebenszeit gegen Geld – ist der Deal fair?

Arbeiten ist nicht nur ein Tauschhandel. Es ist ein hochkomplexer Pakt mit dem Teufel – oder zumindest mit der Buchhaltung. Wir geben unsere Lebenszeit her, und das nicht zu knapp. Acht Stunden am Tag, fünf Tage die Woche, Jahrzehnte lang. Und wofür? Für ein bisschen Sicherheit, einen Urlaub im Jahr und die Hoffnung auf eine Rente, die sich nicht wie Taschengeld anfühlt.

Aber Moment. Stellen wir uns mal kurz vor, wir könnten unseren "Arbeitgeber" einfach als Kunden betrachten. Ein Kunde, der uns für unsere Dienstleistungen bezahlt. Ein Kunde, für den wir einen Auftrag erledigen. Und wenn der Kunde nicht mehr passt, nicht mehr zahlt oder uns einfach langweilt? Dann kündigen wir. Kein Drama, kein Groll, einfach weiter zum nächsten Auftraggeber. Klingt logisch? Willkommen beim Gedankenmodell des Jobhoppings.

Warum Jobhopping Sinn macht

  1. Mehr lernen, schneller wachsen: Jeder Jobwechsel bringt neue Erfahrungen, neue Tools, neue Menschen. Wer alle drei Jahre wechselt, hat nach zehn Jahren mehr gesehen als so mancher Dauersitzer in drei Jahrzehnten.

  2. Höheres Gehalt: Studien zeigen: Wer oft den Job wechselt, verdient im Schnitt mehr. Warum? Weil Gehaltssteigerungen im gleichen Unternehmen oft einer Schnecke auf Valium gleichen.

  3. Bessere Netzwerke: Jede Station bringt neue Kontakte. Beziehungen sind die neue Währung im Arbeitsmarkt. Wer viele kennt, findet schneller den nächsten Top-Job.

  4. Mehr Selbstbestimmung: Jobhopper sind die Nomaden der Neuzeit. Sie entscheiden, wann sie weiterziehen – nicht ihr Chef.

Das Märchen vom "lückenlosen Lebenslauf"

Noch immer halten sich Recruiter, die beim Blick auf einen bunten Lebenslauf Schnappatmung bekommen. Aber hey: Die Arbeitswelt dreht sich. Unternehmen schreien nach Agilität, nach Flexibilität, nach lebenslangem Lernen. Wer sich mit 25 festlegt und mit 65 aus demselben Büro stolpert, hat nichts gelernt – nur durchgehalten. Und Durchhalten war noch nie ein Zeichen für Erfolg.

Firmen sind keine Wohltäter

Wir müssen aufhören, Unternehmen als Schutzbunker zu betrachten. Sie sind keine Ersatzfamilien, keine Freunde, keine Mentoren. Sie sind wirtschaftliche Einheiten mit klarem Ziel: Gewinnmaximierung. Und wenn du dazu beiträgst, wirst du bezahlt. Wenn nicht, wirst du ersetzt. So funktioniert der Markt. Warum also die eigene Loyalität an ein Konstrukt verschenken, das dich im Zweifel fallen lässt wie eine heiße Kartoffel?

Zeit ist Leben. Und Leben ist kostbar.

Wir haben exakt ein Leben. Eine einzige Chance, das Beste daraus zu machen. Warum sollten wir sie für Chefs verschwenden, die uns nicht wertschätzen? Für Unternehmen, die uns als Ressource verwalten? Für Prozesse, die uns die Seele aussaugen?

Jobhopping ist keine Flucht – es ist eine Strategie

Jobhopping ist kein Zeichen von Unentschlossenheit. Es ist ein Zeichen von Klarheit. Klarheit darüber, was man will, was man kann und was man wert ist. Es ist der bewusste Schritt, nicht auf den Ritterschlag vom Chef zu warten, sondern sich selbst zur Königin oder zum König zu erklären.

Aber was ist mit der Rentenlücke?

Ah, der Klassiker. Ja, wer häufig wechselt, muss seine Altersvorsorge selbst im Blick behalten. Aber ist das ein Argument gegen Selbstbestimmung? Gegen Glück? Gegen Wachstum? Vielleicht ist es an der Zeit, sich nicht mehr blind auf den Staat oder Arbeitgeber zu verlassen, sondern selbst Verantwortung fürs eigene Leben zu übernehmen.

Fazit: Arbeitgeber suchen Kunden – wir auch

Jede Firma sucht nach profitablen Kunden. Uninteressante Kunden werden aussortiert. Warum sollten wir Arbeitnehmer nicht dasselbe tun? Warum nicht selbstbestimmt den bestmöglichen "Kunden" auswählen – den Arbeitgeber, der uns am besten behandelt, bezahlt und respektiert? Und wenn der nicht mehr passt, wechseln wir. Ohne schlechtes Gewissen.

Denn Loyalität ist keine Einbahnstraße. Und Leben ist zu wertvoll für Stillstand.

Call to Action: Denk mal drüber nach: Arbeitest du noch für einen Arbeitgeber – oder schon für deinen besten Kunden? Wenn du wechseln willst: Es gibt immer einen besseren Auftrag. Du musst ihn dir nur holen.

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